Gastautor Gregor Loukidis (Gründer Zolar GmbH)

16.01.2017

2017 wird die Energiewende in den Haushalten beschleunigt

Der Ausbau der Erneuerbaren Energien, vor allem der Photovoltaik ist gerade auf einem Tiefstand. Das gibt erst einmal Grund zu Unmut. Wenn man möchte, kann man diesem aktuellen Zustand vielleicht aber auch etwas Positives abgewinnen oder zumindest hoffnungsvoll sein: dass Wind und Sonne mit der richtigen Technologie (und dem richtigen rechtlichen Rahmen inklusive Förderung) günstigen, sauberen Strom erzeugen können, haben wir bereits bewiesen. Das heißt: Strom, aus erneuerbaren Energiequellen ins Stromnetz zu speisen, funktioniert.

Doch die Energiewende ist mehr als nur die Substitution von Energiequellen zur Stromerzeugung. Andere Bereiche der Energie wie Wärme und Mobilität haben mindestens einen genauso großen Stellenwert. Daher hoffe ich, dass wir uns derzeit lediglich in einer Phase der Zäsur befinden, in der wir uns einmal umschauen, bevor wir stärker als zuvor weitermachen – um dann die nächste Evolutionsstufe der Energiewende einzuläuten.

Einspeisung von Strom aus Wind- und Solarprojekten als reine Finanzobjekte war gestern. Heute heißt es, intelligent verknüpfte Konzepte zu schaffen. Und Morgen haben wir dann die so wichtige, vollständig intelligente, dezentrale erneuerbare Energieversorgung.

Die Komplexität nimmt zu

Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem eine Kilowattstunde Strom aus der Solaranlage erzeugt und im Speicher ein- und wieder ausgespeichert, günstiger ist, als diese Kilowattstunde Strom aus dem Netz zu beziehen. Und die selbst erzeugte und gespeicherte kWh wird absolut – und erst recht relativ gesehen – immer günstiger, da die Systemkosten weiter sinken und die Netzstrompreise weiter steigen. Gerade erst zum Beginn dieses Jahres haben viele Stromversorger wieder eine Preiserhöhung durchgeführt.

Die Unterlassungskosen, eine Solaranlage mit Speicher nicht zu installieren, werden mit der Zeit immer größer.

Zolar-Gründer Loukidis ist überzeugt: 2017 bewegt sich einiges.

Die Unterlassungskosten, eine Solaranlage mit Speicher nicht zu installieren, werden also mit der Zeit immer größer.

Doch der selbst erzeugte Strom möchte im Haushalt möglichst gut genutzt werden. Eigenverbrauchs-Optimierung heißt hier das Zauberwort. Bei den heutigen Stromtarifen macht es einfach am meisten Sinn, jede Kilowattstunde des selbst erzeugten Stroms auch selbst im eigenen Haushalt zu verbrauchen.

Doch hier beginnt für viele eine ganz neue Welt: der Strom fließt plötzlich nicht mehr nur in eine Richtung (ins Netz), sondern in viele Richtungen und das gleichzeitig. Und diese Richtungen können sich jede (Milli-)Sekunde ändern. Erzeugung trifft auf Speicherung trifft auf Verbrauch. Leistung (kW) trifft auf Kapazität (kWh). Und in Zukunft wird es in den meisten Haushalten nicht nur eine Erzeugungsquelle, sondern vielleicht gleich zwei oder noch mehr geben. Die Kombination einer kleinen Windanlage mit Solarmodulen auf dem Dach zusammen mit einem Speicher wäre ideal für die allermeisten Haushalte.

Abzusehen ist im Haushalt ebenfalls die Verschiebung der Energiequellen hin zum Strom. Wärmeerzeugung mittels Wärmepumpen, die mit Strom anstatt mit konventionellen Energieträgern wie Öl, Gas oder Pellets befeuert werden und die E-Mobilität werden hier die Treiber sein. Das ist toll – macht die ganze Sache nur nicht gerade einfacher, da die Anzahl der zu verknüpfenden Elemente für die Steuerung und somit die Komplexität weiter zunimmt.

Neuer Auftrag für Stadtwerke, Energieversorger und Startups

Deshalb sind nun vor allem die Unternehmen aus dem Energiebereich gefordert, um mit neuartigen Projekten neue Anwendungsfälle durchzuspielen. Für all dies reicht nun aber nicht mehr der Frontal-Vertrieb von Produkten oder Komponenten.

Heute gilt es ganzheitliche Lösungen zu schaffen. Am besten als Kombination aus Windrad, Photovoltaik, Wärmepumpe, Berücksichtigung des Elektroautos, intelligenter Verbrauchersteuerung (Smart Home), Heizstab für den Wassertank und das Ganze am besten noch mit Notstromversorgung aus der Batterie.

In diesem E-Book beantwortet ZOLAR alle wichtigen Fragen zur neuen Solaranlage und Stromspeicher, um die Energiewende zu beschleunigen. Von all dem sollten die Endkunden allerdings nicht viel Technisches verstehen müssen. Den Auftrag, den Kunden Konzepte verständlich zu machen, haben nun wir – die Unternehmen aus der Energiebranche. Die Frage ist, wer die besten Lösungen schaffen kann, die die Endkunden verstehen und verlangen?!

Gefühl statt Technik

„Verlangen“ ist hier genau das richtige Wort: wurden in der Vergangenheit Produkte zur Eigenerzeugung eher auf einer technischen Ebene vertrieben, geht es heute darum, ein Gefühl zu verkaufen. Weg von der Kompliziertheit, hin zur Einfachheit. Denn wer bitte fragt sich schon, welcher Prozessor-Chip jetzt in seinem neuen Smartphone steckt oder wissen Sie z.B. , mit welcher Bandbreite ihr WLAN Zuhause funkt?

Mitte November haben wir wieder einmal einem Kunden einen Stromspeicher für seine bestehende Solaranlage nachgerüstet. Dazu eine Umschalteinrichtung inklusive Phasenkopplung für den Notstrombetrieb. Zum Test haben wir den Netzausfall simuliert. Sie hätten das Leuchten in den Augen unseres Kunden sehen sollen, als nach nur 5 Sekunden völliger Dunkelheit das ganze Haus wieder hell erleuchtet war. Ab da an liefen die elektrischen Verbraucher des ganzen Hauses auf Basis des Sonnenstroms aus der Batterie des Speichersystems. Zugegeben, dreiphasige Verbraucher wie den Herd und auch die separat angeschlossene Wärmepumpe können mit dem von uns verbauten System noch nicht im Inselbetrieb versorgt werden, aber auch dafür werden Lösungen in den nächsten Jahren erschwinglich werden (technisch möglich ist das schon heute). Wir sind also auf einem guten Weg zur Energie-Autarkie im Haushalt.

Dazu müssen wir allerdings noch weiter verstehen, 1. was überhaupt möglich ist, 2. die Zusammenhänge, die sich daraus ergeben, 3. welche Kombinationen am sinnvollsten sind und 4. daraus sexy Pakete für die Haushalte schnüren. Und zwar welche, die individuell zu jedem einzelnen Kunden und seinem Haus oder seiner Wohnung passen.

Der Weg geht über die Digitalisierung

Zum Verstehen braucht man vor allem eins: Daten. Hier hilft die Digitalisierung. Hoffen wir also, dass die Smart Meter, die ab 2017 in den Haushalten ausgerollt werden sollen, nicht nur mehr Kosten, sondern auch eine bessere Datenlage bringen. Wichtig ist, dass letzten Endes die richtigen Schlussfolgerungen aus der Analyse der Daten gezogen werden.

Digitalisierung schafft noch einen anderen Nutzen: denn einfach und sexy bedeutet für Endkunden heutzutage eigentlich immer unter Anwendung von modernen Internet-Technologien. Digitalisierung im Zusammenspiel mit Automatisierung schafft hier neue Kunden-Erlebnisse.

Konzepte müssen funktionieren wie Fahrerassistenzsysteme in modernen Fahrzeugen: die Intelligenz sitzt im Hintergrund, der Kunde kriegt davon kaum etwas mit. Von vorne sieht alles spielend einfach aus, im Hintergrund laufen jedoch unzählige Berechnungen in kürzester Zeit ab.

In Zukunft müssen komplette „Customer Journeys“ (am ehesten wohl mit „Kundenpfade“ übersetzt) neu entworfen und geprägt werden. Unternehmen sind aufgerufen, ein gänzlich neues Kundenerlebnis für den Kauf, bzw. die Beschaffung von Produkten und Lösungen zu kreieren.

Bei ZOLAR geht es z.B. in erster Linie um Einfachheit und Ganzheitlichkeit. Aus Unternehmenssicht geht es um das Management eines Anfang-zu-Ende-Prozesses des Verkaufs von Solaranlagen und Stromspeichern, individualisierter Installation und die Koordination eines Ökosystems von Mitarbeitern und Partnern, die liefern, finanzieren, installieren, Anlagen warten und Daten bereitstellen.

Für den Endkunden ist das „Produkt“ eine nahtlose, personalisierte digitale Kundenerfahrung vom ersten Interesse bis zum laufenden Betrieb der Erzeugungs- und Speicheranlage. ZOLARs Online-Konfigurator zeigt z.B. in möglichst großer Leichtigkeit auf, was es gibt, was für den Kunden, bzw. sein Haus individuell funktioniert und lässt dabei dennoch eine Auswahl nach eigenen Wünschen zu (lieber schwarze Module, lieber ein Speicher von Mercedes-Benz oder doch LG?). Alle Änderungen und Auswirkungen auf Investitionsvolumen, Energiefluss, Autarkiegrad und Zusammenspiel mit anderen Komponenten werden in Echtzeit angezeigt. Wie zuvor beschrieben, sitzt hier die Intelligenz für die Berechnungen im Hintergrund. Der Kunde kriegt davon kaum etwas mit.

Die Botschaft wird ankommen

Leider wissen im nationalen Maßstab gemessen bisher nur relativ wenige Menschen von den Vorteilen von Solaranlagen mit Speichern. Von den knapp 15 Mio. Einfamilienhäusern in Deutschland haben bisher nur etwa mehr als eine Million eine Solaranlage installiert.

Was jedoch hilft: die Stromspeicherhersteller schaffen jetzt das, was die Solarmodulhersteller nie geschafft haben: eine emotionale Komponente in den Verkauf mit reinzubringen. Hersteller mit großer Markenwirkung wie Mercedes-Benz, Tesla und bald auch Nissan drängen in den Markt der Stromspeicher. Für sie ist es ein logischer Schritt – werden doch in den stationären Speichern die Batterien der Autos weiterverwendet. Der Energiewende hilft es, weil ihre Markenkraft Menschen dazu bringt, sich mit dem Thema Stromerzeugung und -speicherung auseinanderzusetzen, die sich vorher dem Thema Solar noch nie genähert hatten.

Auch wenn die Energiewende in Deutschland im Moment fast zum Erliegen gekommen zu sein scheint, blicke ich freudig in die Zukunft: in den nächsten Jahren werden immer günstigere Speichersysteme, Solarmodule, Heimautomatisierungs-Lösungen, Elektroautos, Wärmepumpen, immer effizientere Windkraftanlagen und Weiteres am Markt verfügbar werden.

Genauso wie fast jeder Haushalt heute (mindestens) einen Computer besitzt, glauben wir bei ZOLAR daran, dass jedes Haus in Europa – und darüber hinaus – schon bald eine Solaranlage und einen Stromspeicher haben wird.