Umfrageergebnis: Soll die EU eine europäische Akku-Produktion für E-Autos fördern?

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Redaktion

Stiftung Energie & Klimaschutz
16. November 2017
Soll die EU den Aufbau einer europäischen Akkuproduktion für Elektroautos fördern?

Das wollten wir in der letzten Umfrage von Ihnen wissen. Eine eindeutige Mehrheit von 59 Prozent plädierte für eine Förderung des Aufbaus einer Akku-Produktion durch die EU. 10 Prozent waren unentschieden. Und 31 Prozent sprachen sich dagegen aus. Noch während unsere Umfrage lief, fielen wichtige Vorentscheidungen zum Aufbau einer europäischen Akku-Produktion. Und an der Förderung durch die EU wird es offensichtlich nicht scheitern.

Beim „Batteriegipfel“ unter der Leitung von EU-Kommissar Maros Sefcovic wurde zwischen Politik und Wirtschaft vereinbart, bis  Februar 2018 eine Strategie zu erarbeiten. Ähnlich wie beim Flugzeugbau will die EU auch bei der Akku-Produktion der Wirtschaft helfen, mit dem Weltmarkt Schritt zu halten. Zu wichtig und zu gewichtig ist diese Technologie, als dass Europa sich mit der Rolle eines Abnehmers oder einer verlängerten Werkbank zufrieden geben will. Vertreter von 40 Unternehmen aus der Auto- und Chemiebranche kamen in Brüssel zusammen.

Ein Marktvolumen von 250 Milliarden Euro

Sie alle wollen am erhofften Geldsegen aus Brüssel partizipieren. Bei einem Elektroauto entfallen über 30 Prozent der Wertschöpfung auf die Batterie. Weder bei den Rohstoffen noch bei der Zellherstellung sind europäische Unternehmen derzeit im Geschäft. Bei der Produktion und der Steuerung von großen Akkus für Elektrofahrzeuge liegen asiatische Firmen und Tesla technologisch vorn. Und es geht immerhin um ein geschätztes Marktvolumen von 250 Milliarden Euro.

Ganz ohne staatliche Hilfen scheuen die Unternehmen derzeit das Risiko. Sie wissen: Der Aufbau der Wertschöpfungskette ist teuer. Die Abhängigkeit von den Zulieferern ist hoch. Und preislich kann man nur mithalten, wenn man sowohl technologisch als auch in der Größe der Produktionsstätte ganz vorne mitspielt.

Akku-Produktion in Europa
Eurabus ist ein Hersteller aus Berlin. Die Akkus der nächsten Busgeneration werden aus deutscher Produktion von BMZ kommen und sollten künftig eine Reichweite von 650 Kilometern ermöglichen.

Millionen Auftrag für Bus-Batterien

Deshalb plant das Konsortium um TerraE vorsichtig. Das deutsche Unternehmen TerraE entstand aus dem Kompetenz-Netzwerk Lithium-Ionen-Batterien. An diesem nahmen große Firmen wie ThyssenKrupp, Manz, Siemens, BASF, Wacker und Hochschulen sowie Forschungseinrichtungen teil. Treibende Kraft und einer der Mitgründer von TerraE ist das hessische Unternehmen BMZ. Der Mittständler produziert nicht nur an seinem Stammsitz in Karlstein High-Tech-Batteriesysteme für Automotive, E-Mobility, Storage, Medical- und Industrial-Anwendungen, sondern auch in China und in den USA.
Letzte Woche zog BMZ einen Millionen-Auftrag an Land. Gegenstand ist die Lieferung von mehr als 1.000 Batteriesystemen für die Eurabus GmbH. Die modularen Akkus werden bis zu einer Kapazität von 790 kWh konfektioniert und ermöglichen den Bussen eine Reichweite von 650 Kilometer.

Bei TerraE ist für 2019 der Beginn der Produktion von Lithium-Ionen-Zellen geplant. Dabei hat man – quasi als Testvorlauf – zunächst Akkus für Gabelstapler, Elektrowerkzeuge, E-Scooter oder E-Bikes im Blick. Erst ab 2021 will man sich an die Produktion von Zellen für Elektroautos wagen. Die avisierte Gigafactory soll 2028 im Endausbau 35 GWh herstellen. (Tesla wird diese Größe bereits im nächsten Jahr erreichen.)

In Sachsen liegt der Rohstoff für die europäische Akku-Produktion

Immerhin: Die Pläne von TerraE nehmen Gestalt an. Wie das Unternehmen im Oktober bekannt gab, wurde eine Planungsgesellschaft gegründet. Am Standort Dresden soll sich die Tochtergesellschaft TerraE Engineering GmbH um Standortevaluierung, Standortplanung, Supply Chain Management, Industrialisierung sowie Forschung und Entwicklung kümmern. Wahrscheinlich spielte bei der Entscheidung für den Standort in Sachsen auch eine Rolle, dass im Erzgebirge bald mit dem Abbau von Lithium in großen Mengen begonnen werden kann. Wie die Zeit jetzt berichtete, verfügt die Deutsche Lithium GmbH über eine Abbaulizenz mit 30-jähriger Laufzeit. Geschätzt liegen in der Lagerstätte 500.000 Tonnen Lithiumcarbonat. Da die Batterie eines Elektroautos etwa 50 Kilogramm des Materials benötigt, könnten mit dem Rohstoff aus Sachsen ungefähr zehn Millionen Fahrzeuge versorgt werden. Und auf der tschechischen Seite der Grenze wird eine noch einmal doppelt so große Lagerstätte vermutet.

Offenbar sehen die Voraussetzungen für den Aufbau einer europäischen Akku-Produktion nicht schlecht aus. Fast zeitgleich mit uns fragte das Manager-Magazin seine Leser: „Soll die EU eine europäische Elektroautobatteriefabrik subventionieren?“ Hier liegt die Zustimmungsquote ähnlich hoch wie bei uns. Einen Überblick über die Entwicklung und Produktion von Batterien für Elektroautos haben wir jüngst veröffentlicht.

Unsere Umfrage lief vom 16. Oktober bis zum 12. November. An ihr nahmen 157 Personen teil. Zur aktuellen Umfrage „Bringt die 23. Welt-Klimakonferenz den erhofften Erfolg für den Klimaschutz?“ gelangen Sie über diesen Link.

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