Gastautor Robert Busch (Bundesverband Neue Energiewirtschaft)

10.04.2017

Blockchain und Energiewirtschaft: What’s up?

Ein Blick auf die Agenda aktueller Energiekonferenzen zeigt: „Blockchain“ hat „Disruption“ als Buzzword verdrängt. Nicht selten ist zu hören, dass nun, da sich Verbraucher und Erzeuger direkt dezentral, sicher und ohne dazwischengeschaltete Instanz verbinden lassen können, das letzte Stündlein der klassischen Energieversorger geschlagen habe. Immerhin: In einer Umfrage unter Energiemanagern der ESMT Berlin gaben kürzlich fast zwei Drittel der Befragten an, sie halten eine weitere Verbreitung von Blockchain für wahrscheinlich, ein Fünftel hält sie gar für den Gamechanger.

Bitcoins in der Finanzwirtschaft

In der Finanzwirtschaft kommen Blockchain-Anwendungen wie die Internetwährung Bitcoin schon länger zum Einsatz. Ein disruptiver Prozess findet dort bereits statt. So steigt der Kurs der Internetwährung kontinuierlich – Ende Februar waren Bitcoins erstmals teurer als Gold. Interessant ist, dass in der Finanzwirtschaft vielfach etablierte Player wie Banken oder Versicherungen Blockchain nutzen. Aus einfachem Grund: Das dezentrale Transaktionsmodell kann Kosten sparen.

Regulierung setzt engen Rahmen

In der Energiewirtschaft wird die Blockchain vor allem in Bezug auf dezentrale Versorgungslösungen diskutiert, bei denen etwa Erzeuger nicht benötigten Solarstrom direkt an verbundene Nachbarn zu liefern (Peer to Peer-Versorgung). Über die Blockchain werden dann die erzeugten und verbrauchten Kilowattstunden automatisiert zugeordnet, verifiziert und dokumentiert. Getestet wird dies aktuell etwa im EU-Projekt Scanergy. Die Blockchain ermöglicht eine Direktbelieferung, ohne Mittler. Hier liegt auch ein Haken: Der Stromhandel ist bekanntlich Regeln und Marktprozessen unterworfen, die nicht zuletzt die hohe Versorgungssicherheit in Deutschland garantieren. Denn wer springt etwa ein, wenn in der Community einmal nicht genug Strom vorhanden ist? Wer ist haftbar, wenn etwas passiert?

Bei Versorgungsmodellen über eine Blockchain müssten die Teilnehmer nach derzeitigem Stand zu Bilanzkreisverantwortlichen werden und alle damit verbundenen Auflagen erfüllen. Sie müssten Lastprognosen melden oder gar eine Konzession als Stromlieferant beantragen. Diesen Aufwand werden Privatpersonen nicht betreiben können und wollen. Ohne Dienstleister, die die Abwicklung übernehmen, bei Bedarf Reststrommengen liefern und Auflagen der Behörden erfüllen, wird es also auch in Zukunft nicht gehen. Schon heute bieten etwa die Mitgliedsunternehmen des bne als Vorreiter der Branche vernetzte Eigenverbrauchsmodelle, Mieterstrom- und Community-Lösungen auf Basis von erneuerbaren Energien an. Sicher ist, die Nachfrage wird hier weiter wachsen.

Blockchain am Beispiel Elektroautos

Könnte einen deutlichen Nutzen bringen: der Einsatz von Blockchain beim Bezahlen im Bereich der Elektromobilität.

Könnte einen deutlichen Nutzen bringen: der Einsatz von Blockchain beim Bezahlen im Bereich der Elektromobilität.

Beim Laden von Elektroautos ist die Anwendung von Blockchain-Lösungen schon greifbar. Das Laden im öffentlichen Raum krankt daran, dass die notwendigen Abrechnungsprozesse komplex und damit mit hohen Kosten verbunden sind, was den Ausbau der Infrastruktur und damit die Elektromobilität insgesamt hemmt. Aktuell laufen verschiedene Projekte, in denen Blockchain als ein einheitliches und unkompliziertes Zahlungssystem für das Laden von Elektroautos eingesetzt wird. Der Einsatz von Blockchain könnte hier einen deutlichen Nutzen bringen.

Digitalisierung der Energiebranche

Dezentralisierung und Digitalisierung der Energiewirtschaft schreiten in jedem Fall weiter voran, ob mit Blockchain oder ohne. Dort wo sie Vorteile bringt, wird sie mit Sicherheit zum Einsatz kommen. Dafür müssen allerdings noch einige Kinderkrankheiten überwunden werden. So sind Transaktionen über Blockckain noch relativ langsam. Als neue Energiewirtschaft sehen wir diese Entwicklung generell ganz ohne Furcht: Intelligente Dienstleistungen und Services für Strom, Wärme und Mobilität, die weit über das klassische Versorgungsmodell hinausgehen, werden in Zukunft immer mehr gefragt sein.