Gastautorin Cornelia Daniel-Gruber (Dachgold)

14.01.2015

Photovoltaik gehört einfach in Unternehmen. Warum? Darum!

Seit mittlerweile 4 Jahren predige ich dieses Credo. PV gehört in Unternehmen und zwar am besten in jedes. Strom muss vor allem dort produziert werden, wo er auch gebraucht wird, dann macht diese großartige Stromform so richtig Sinn. Nun hat mich Hubertus Grass gebeten, dass auch hier nochmal genauer zu erklären, wobei ich mir als Österreicherin in Deutschland ja fast nicht traue, irgendwas in Sachen Photovoltaik zu erzählen, wo ihr doch so meilenweit voraus seid, was die Marktentwicklung betrifft.

In einer Sache haben wir aber ein paar Jahre Vorsprung. Im Gegensatz zu Deutschland, wo erst in den letzten Jahren der große Gegenwind aufgekommen ist, haben die Industrie und die Energieversorger in Österreich schon sehr früh dafür gesorgt, dass die Photovoltaik erst gar nicht so richtig in die Gänge kommt und das Fördervolumen für Großanlagen mit Einspeisetarifen auf 8 Mio. Euro pro Jahr begrenzt. Bei einem möglichen Markvolumen von 300-500 MWp/Jahr bedeutet das, dass sehr viele, die eigentlich bauen könnten und wollten, es eben nicht tun. Deshalb musste ich mich mit meinem Unternehmen Dachgold schon sehr früh mit der Frage auseinandersetzen, wie man sich von der Politik unabhängiger machen kann und auf jenen Tag hin gefiebert an dem ich sagen kann: Photovoltaik rechnet sich auch ohne Förderung oder: Solarstrom ist günstiger als Netzstrom. Netzparität eben. Um zu wissen, wann dieser Punkt erreicht ist, orientert man sich immer an den sogenannten „Stromgestehungskosten“. Leider ist mir noch kein besseres Wort dafür eingefallen. Wir könnten es ihn auch Sonnenstrompreis nennen.

 Warum der Gestehungskostenrechner entstand
Die Stromgestehungskosten wurden historisch immer nur von großen Forschungsinstituten ermittelt. Mir ging das viel zu langsam und so habe ich 2012 meinen eigenen Stromgestehungskostenrechner entwickelt, damit ich immer genau mitschauen kann, wann denn die lang ersehnte Netzparität nun erreicht ist. Eine Grafik hat mich auf diesem Weg immer begleitet. Sie ist anfangs auf Wikipedia erschienen und zeigt die Stromgestehungskosten nach der sogenannten LCOE-Formel bei der auch die Kapitalkosten und Betriebskosten berücksichtigt werden.

Gestehungskostenmatrix richtig verstehen
Nach dem ich die Gestehungskosten berechnen konnte, habe ich irgendwann erkannt, dass auch Anlagenbauer dieses Tool und diese Art der Kommunikation von Solarstrom für sehr sinnvoll erachten. Deshalb habe ich über ein Jahr später den Dachgold Gestehungskostenrechner veröffentlicht, der sich seither vor allem in Deutschland großer Beliebtheit erfreut.  Nun kann jeder selbst ausrechnen wie hoch die solaren Gestehungskosten seiner Anlage sind. Als groben Überblick hier die Tabelle kurz erklärt. Links sieht man die Kosten der Anlage pro kWp und oben den spezifischen Ertrag der Anlage. Folgende Parameter wurden außerdem angenommen:

  •         Fremdkapital 60% mit 3,5% verzinst
  •         Eigenkapital 40% mit 6% Eigenkapitelrendite (Opportunitätskosten)
  •         Betriebskosten 20,-/kWp/Jahr
  •         Inflation 2%
  •         Degradation 0,25%/Jahr Stromgestehungskosten

Abbildung 1 Gestehungskosten von Photovoltaik: Quelle: Dachgold e.U. Eigene Berechnungen, Ergebnisse können durch andere Annahmen stark abweichen.

Was bei dieser Tabelle aber unglaublich wichtig ist, dass die angenommen Parameter für JEDEN Gewerbekunden anders sein können. Deshalb ist die reine Reduktion dieser Thematik auf wissenschaftliche Arbeiten nicht mehr zeitgemäß. Vor allem der Punkt der Eigenkapitalkosten wird in der öffentlichen Diskussion noch völlig falsch geführt. Die hier angegebenen 6% bedeuten, dass ich als Privatperson als Alternative zur Photovoltaikanlage ein risikofreies Alternativinvestment habe, welches 6% abwirft. Historisch ist dieser hohe Wert in den Berechnungen, weil Energieversorger bei angeblich allen Alternativinvestitionen eine Mindestrendite von 6-10% hatten. Ich werde hier nicht näher darauf eingehen ob, die diese tolle Rendite auch immer bei ihren tollen Alternativinvestitionen geschafft haben. Abgesehen davon ist dieser Wert für Privatpersonen und kleinen Unternehmen, bei denen das Alternativinvestment nicht mehr als eine Negativrendite durch nicht vorhandene Zinsen am Sparbuch und hoher Inflation ist, einfach nur falsch. Es gäbe also noch sehr viele solcher Tabellen mit unterschiedlichen Annahmen. Die oben gezeigte ist eher noch die „konservative“ Variante. Und trotzdem sehen wir schon hier ab welchem Strompreis auch Unternehmen den Strom billiger selbst produzieren können, also vom Netz.  

Photovoltaik-Eigenverbrauch in Unternehmen: Mindestens 20% Stromkostenreduktion möglich
Nun sind wir schon einen Schritt weiter und wissen, dass in manchen Fällen der Strom billiger ist, als der vom Netz. Das ist aber nur dann gut, wenn ich den Strom auch zu genau dieser Zeit im Unternehmen verbrauche und hier fängt es an knifflig zu werden aber eines mal vorweg: Es wäre utopisch zu glauben, dass es jetzt schon möglich ist, wirklich 100% des Stroms selbst zu erzeugen. Die Speichertechnologien brauchen noch ein paar Jahre und bis dahin müssen wir uns damit begnügen, dass zumindest eine signifikante Stromkostenreduktion von etwa 20-30% möglich ist. Das ist ja immerhin auch schon großartig. Damit dies aber auch wirklich richtig gemacht wird, ist es wichtig einen Anlagenbauer zu finden, der das Lastprofil des Unternehmens prüft und die Anlage in der richtigen Größe plant, damit möglichst viel Strom selbst verbraucht wird. Wir haben dazu gerade eine wirklich spannende Initiative in Österreich gestartet. Mit Tausendundein Dach wollen wir 1001 Unternehmen finden, die eine solche Eigenverbrauchsanlage wirtschaftlich betreiben und so diesen Markt in ganz Österreich in Schwung bringen. Es würde zu weit gehen, wenn ich hier noch in die Lastprofildiskussion einsteige. Die wesentlichsten Punkte sind in diesem großartigen Artikel von SMA zusammengefasst.

In 7 Schritten zur Photovoltaik-Anlage ohne Förderung
Neben dem Lastprofil gibt es außerdem noch zu beachten, wie hoch der derzeitige Strompreis im Unternehmen ist und welche Einsparungen grundsächlich zu erzielen sind. Da mich schon lange interessiert hat, ob bereits Unternehmen gibt, die diesen Weg gegangen sind, habe ich gemeinsam mit der AEE Salzburg eine Erhebung gemacht, bei der wir genau diese Unternehmen gesucht  und tatsächlich auch gefunden haben. Ich habe alle Unternehmen durchgerechnet und bin auf erstaunliche Werte gekommen. Die wichtigsten Ergebnisse sind im Leitfaden „In 7 Schritten zur Photovoltaik-Anlage ohne Förderung“ zu finden.  

Dachgold

Das Fazit daraus:
Durch einen hohen Eigenverbrauch sind auch jene landwirtschaftlich oder gewerblich genutzten (Dach-)Flächen für die Errichtung einer Photovoltaik-Anlage von wirtschaftlichem Interesse, die keine Förderung erhalten (haben). Grundsätzlich gilt aber, dass kleinere Photovoltaik-Anlagen nach wie vor eine Förderung benötigen, um wirtschaftlich betrieben werden zu können – insbesondere, wenn keine hohen Eigenverbrauchsquoten von mehr als 60% erzielt werden können.

Wie der Eigenverbrauch mit dem Autarkiegrad zusammenhängt und wann sich eine Photovoltaik-Anlage ohne Förderung rechnet, zeigt im Detail der Leitfaden „In 7 Schritten zur Photovoltaik-Anlage ohne Förderung“ auf. Der Leitfaden ist in Kooperation mit der Solarberatung Dachgold e. U. durch die AEE Salzburg, einer gemeinnützigen Energieberatung, erstellt worden. Es werden sowohl wirtschaftliche, rechtliche als auch technische Grundlagen erklärt. Zudem werden zahlreiche Beispiele aufgelistet. Download hier.