Gastautor Jörg Michels (EnBW Kernkraft GmbH)

17.07.2017

Rückbau als Teil der Energiewende – die Rückbaustrategie der EnBW

Die Energiewende und der Ausstieg aus der Kernenergie sind politisch und gesellschaftlich gewollt und beschlossene Sache. Und auch wir – die Nuklearsparte der EnBW – verstehen uns als wichtigen Teil dieser Energiewende. Mit unserer bereits im Jahr 2012 beschlossenen Strategie eines sicheren, effizienten und direkten Rückbaus aller unserer Kernkraftwerke setzen wir diesen politischen und gesellschaftlichen Willen proaktiv und konsequent um. Wir wollen den Rückbau unserer Kernkraftwerke nicht auf die lange Bank schieben, sondern in einer Generation umsetzen!

Rückbau braucht passende Rahmenbedingungen

Allerdings bewegen wir uns beim Rückbau nicht im luftleeren Raum. Wenn es einen direkten und effizienten Rückbau der Kernkraftwerke geben soll, der in einer Generation abgeschlossen wird, dann bedarf es dafür auch der passenden Rahmenbedingungen. Diese Rahmenbedingungen können wir selbst oftmals gar nicht direkt beeinflussen. Wir umschreiben das mit dem Begriff des „Rückbau-freundlichen Umfelds“.

Rückbaustrategie braucht klare Rahmenbedingungen.

Leeres Maschinenhaus im Kernkraftwerk Obrigheim: Der Rückbau eines Kernkraftwerks, wie in Obrigheim, braucht ein Rückbau-freundliches Umfeld.

Was verstehen wir unter so einem Rückbau-freundlichen Umfeld? Hier kann ich beispielsweise den Umgang mit den zahlreichen Genehmigungs- und Aufsichtsprozessen nennen, die mit der Umsetzung des Rückbaus verbunden sind. Welche Synergieeffekte sind möglich, ohne dass dabei Abstriche bei der Qualität der Prüfung und damit der Sicherheit gemacht werden? Wie kann dem deutlich minimierten und zunehmend geringer werdenden Risikopotenzial einer endgültig abgeschalteten Anlage Rechnung getragen werden? Kann die zeitnahe Inbetriebnahme des Schachts Konrad als Endlager für schwach- und mittelradioaktive Stoffe durch den Bund sichergestellt werden? Schacht Konrad ist – vereinfacht gesagt – das Endlager für den Löwenanteil der radioaktiven Stoffe, die aus dem Rückbau stammen, und damit für unsere Planungen und für die Logistik ein wichtiger Fixpunkt.

Ausstiegsbeschluss bietet Chance zur Beilegung alter Grabenkämpfe

Die Energiewende und der von einer breiten Mehrheit getragene Ausstieg aus der Kernenergie bieten noch eine weitere große Chance. Nämlich die Chance, die alten, von allen Seiten oftmals ideologisch geprägten Grabenkämpfe endgültig beizulegen und sich gemeinsam dem Ziel eines sicheren, effizienten und direkten Rückbaus der Kernkraftwerke zuzuwenden. Wir sind auf jeden Fall gewillt, dies zu tun. Wir haben unsere Rückbauprojekte gerade auch deshalb von Anfang an transparent gemacht und gehen auch gerne in den Dialog mit der Bevölkerung, den NGOs und der Politik. Dies haben wir die letzten Jahre – beispielsweise bei Bürgerinformations- und dialogveranstaltungen, in Gemeinderatssitzungen und Presseterminen – immer wieder gemacht. Unsere Erfahrungen zeigen, dass Transparenz, Dialogbereitschaft und Kontinuität in unserer Kommunikation – im Einklang mit unserem Handeln – eine echte Basis für den Aufbau von Vertrauen bilden. Darüber freuen wir uns.

Wo steht der Rückbauprozess der einzelnen EnBW-Kernkraftwerke?

Die Umsetzung unserer Rückbaustrategie haben wir mit unseren immer noch rund 1.600 eigenen Mitarbeitern konsequent vorangetrieben. Inzwischen sind alle unsere fünf Kernkraftwerke – auch die beiden die noch laufen – formal in den Rückbauprozess eingebunden. In Obrigheim ist der Rückbau bereits weit vorangeschritten, in Philippsburg 1 und Neckarwestheim I haben wir in diesem Jahr mit dem Rückbau begonnen. Und auch für Philippsburg 2 und Neckarwestheim II haben wir bereits in 2016 die Genehmigungen für Stilllegung und Abbau beantragt, obwohl beide noch bis voraussichtlich 2019 bzw. 2022 Strom produzieren werden.

Rückbaustrategie der EnBW

Alle fünf Kernkraftwerke der EnBW sind formal in den Rückbauprozess eingebunden. Sie befinden sich jedoch in unterschiedlichen Phasen im Zyklus.

 

Rückbaustrategie

Sicher, konsequent und transparent: Beim Rückbau von Kernkraftwerken gelten hohe Maßstäbe.

Die Sicherheit und der Schutz von Mensch und Umwelt stehen für uns dabei an oberster Stelle. Jeder Schritt wird genau geplant und mit Präzision durchgeführt. Dabei gelten hohe Maßstäbe. Die Sicherheit beim Rückbau wird durch mehrere Faktoren gewährleistet. Das geht los mit der umfassenden Planung und detaillierten Beschreibung des gesamten Rückbaus, aber auch jedes einzelnen kleinen Abbauvorgangs. Die Unterlagen werden dann noch einmal von der Aufsichtsbehörde und ihren Gutachtern unabhängig geprüft, bevor die Umsetzung beginnen darf. Und auch die Umsetzung wird von Behörde und Gutachtern unabhängig überwacht. Zur Sicherheit tragen dabei auch die Erfahrung und das Know-how unserer Mitarbeiter bei. Sie kennen die Anlagen am besten, deshalb setzen wir auf sie. Und letztlich ist der Rückbau für uns schon lange kein Neuland mehr, wie am erfolgreichen und weit fortgeschrittenen Rückbau in Obrigheim zu sehen ist.

Dies alles sind wichtige Bausteine, die dazu führten, dass wir heute als EnBW stolz darauf sein können, uns in Deutschland eine Vorreiterrolle beim Rückbau erarbeitet zu haben. Erfolge, auf denen wir uns nicht ausruhen werden. Ich kann versprechen, dass wir mit dem gleichen Engagement auch in Zukunft weitermachen werden – sicher, konsequent und transparent!

Mehr Informationen zu den Rückbau-Aktivitäten der EnBW gibt es auch unter: www.enbw.com/rueckbau