Gastautorin Susanne Schatzinger (Fraunhofer IAO)

22.06.2017

Urban Energy Talks: Nachhaltig bewegen in der Stadt von Morgen

Über die Frage, wie wir uns in Zukunft in aber auch zwischen den urbanen Zentren fortbewegen gibt es wohl schon immer eine große Kluft zwischen Realität und Vision und auch darin sowohl viel Positives als auch Negatives. Diskussionsstoff genug also für die Urban Energy Talks.

Trend: Stetig steigendes Bedürfnis nach Mobilität

Fakt ist, dass mit zunehmendem Wohlstand, Urbanisierung, Internationalisierung, Globalisierung, Flexibilisierung und Diversifizierung von Lebensstilen das Bedürfnis nach Mobilität immer weiter gestiegen ist.

Die Städte als langfristig angelegte Strukturen können nur gering und wenn dann nur sehr träge auf die rasanten gesellschaftlichen Veränderungen reagieren – so auch die Mobilitätsinfrastruktur. Staus, hohe Kosten durch Zeitverlust, Emissionen und Gesundheitsbeeinträchtigungen sind die Folge. Die städtischen Infrastrukturen sind an ihrer Belastungsgrenze. Wenn wir auch in Zukunft in den Städten mobil sein wollen und das vielleicht sogar stressfreier, dann müssen wir lernen umzudenken und zu akzeptieren, dass eine Änderung im Mobilitätsverhalten und der Verkehrsmittelwahl notwendig sein wird. Aber der Mensch ist ein Gewohnheitstier und hofft allenfalls darauf, dass die Politik es schon richten wird, oder? Und kann die vielgepriesene Elektromobilität, deren Fahrzeuge in drei Jahren bei einer Million in Deutschland liegen sollten – ein Ziel das sicher nicht erreicht werden kann, wie die Bundesregierung neulich bekannt gab – Heil versprechen? Oder autonome Fahrzeuge, unter denen sich der Durchschnittsbürger kaum einen Einsatz im Alltag vorstellen kann?

Urbane Mobilität: Diskussionsstoff für die Urban Energy Talks

So viel jedenfalls zum negativen Teil der Medaille. Im Bereich der Mobilität gibt es aber durchaus viel Gutes zu berichten. Zum einen Ändern sich die Gewohnheiten, Einstellungen und Lebensstile vor allem von Stadtbewohnern, zum anderen ermöglichen schnellere Innovationszyklen völlig neue technische Lösungen in kurzer Zeit.

Nicht nur hohe Kosten und wenig Raum für Parkplätze sondern auch andere Prioritäten im Konsumverhalten lassen den Autobesitz hier zu Lande in vielen Städten sinken. Car Sharing Angebote werden gut angenommen – die Konzepte und Geschäftsmodelle dahinter sind dennoch verbesserungswürdig. Körperliche Fitness und Aktivität sind den Menschen wieder wichtiger, Fitnessuhren und Aktivitätstracker lassen das Radfahren aber auch die Fortbewegung per pedes aufleben. Das Pedelec hat sich als einziges Elektromobil bereits in der Breite des Marktes durchgesetzt.

Innovationen in der urbanen Mobilität – läuft also, oder?

Ebenfalls im Bereich der Logistik sind viele Fortschritte zu verbuchen: City Logistik wird immer ausgeklügelter, sodass weniger LKW in die Innenstädte einfahren müssen, Einsatz von Elektrofahrzeugen findet im kleinen Segment bereits statt und wird im Bereich Schwerlastverkehr erforscht.

Auch die Politik hat den Handlungsbedarf längst erkannt und initiiert gemeinsam mit Unternehmen und Forschung viele innovative Projekte. So zum Beispiel die umsetzungsorientierten SCC Projekte der EU, in denen Mobilität meist ein integraler Bestandteil ist, aber auch in zahlreichen deutschland- und bundeslandweiten Projekten, internationalen Kooperationen oder kommunalen Initiativen. Auch Unternehmen denken die betriebliche Mobilität neu und setzen immer häufiger Fahrzeuge mit alternativen Antrieben in ihren Flotten ein. Auch neue innovative Themen wie das autonome Fahren, das Taxi der Zukunft, elektrischer Schwerlastverkehr oder die Auswirkungen von flexiblem Arbeiten auf den Verkehr finden Einzug in die Projektlandschaft, sollten in Zukunft noch weiter ausgebaut werden.

Neue Nutzungskonzepte von Nöten zur Reduktion der Anzahl von Fahrzeugen

Wie nun werden wir uns aber in der Stadt der Zukunft bewegen? Forscher sind sich darüber einig, dass die Zukunft des Verkehrs aus Fahrzeugen alternativer Antriebsformen besteht, dass diese vernetzt, im besten Fall autonom sind und vor allem geteilt werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass Verkehr emissionsarm und perfekt aufeinander abgestimmt ist und optimal und ohne Staus fließen kann. Da sich die Anzahl der Fahrzeuge auf den Straßen aber weder durch Autonomie noch durch alternative Antriebe per se verringert sind, neue auch Nutzungskonzepte von Nöten, die bei gleichzeitigem Erhalt von individueller Mobilität eine geteilte Nutzung und damit eine Reduktion der absoluten Anzahl von Fahrzeugen ermöglichen.

Ohne urbane Energiewende keine nachhaltige Mobilität – und umgekehrt

Urban Energy Talks: FutureCitiesBW - Partnerships for Smart and Sustainable Cities

Mobilität betrifft aber als zentraler Sektor von Städten auch viele andere Bereiche. Einer der wichtigsten ist der Energiesektor, denn ohne Energie ist Mobilität nicht möglich und Kritiker hinterfragen beispielweise, ob wir genug nachhaltige Energie für eine nachhaltige Mobilität der Zukunft zur Verfügung stellen können, selbst wenn sich die absolute Anzahl der Fahrzeuge reduziert. Weitere wichtige Sektoren sind Arbeiten in der Stadt der Zukunft (Reduktion von Pendlerverkehr durch Co-Working Center), dezentrale urbane Produktion (Reduktion von Güterverkehr) oder Tourismus (während der ÖV unter der Woche für die Arbeits- und Schulwege bereits seine Kapazitätsgrenze erreicht hat, sind öffentlich nutzbare Angebote für den Wochenendtourismus in die Stadtregionen weiter ausbaufähig).

Die Bandbreite an Themen und Visionen ist groß und ich freue mich sehr, diese auf den Urban Energy Talks kritisch mit Ihnen zu diskutieren.