Gastautor Dr. Mark Steffen Walcher (Geschäftsführer der smartlab Innovationsgesellschaft mbH)

27.09.2017

Vernetzung für deutschlandweite Interoperabilität beim Laden von Elektrofahrzeugen

Noch immer kommt die Elektromobilität nicht schnell genug voran. Um den Erfolg der Elektromobilität maßgeblich voranzutreiben, sind vor allem die rechtlichen Rahmenbedingungen, wie CO2-Grenzwerte für PKW oder mögliche Dieselfahrverbote, ausschlaggebend. Darüber hinaus sind das noch immer völlig unzureichende Angebot an Fahrzeugen mit zumeist geringen Reichweiten und die gleichzeitig hohen Preise der Fahrzeuge ein Hemmschuh für die Elektromobilität. Die angekündigten größeren Reichweiten und sinkenden Batteriepreise werden das Angebot aber zukünftig deutlich attraktiver machen. Dritte Prämisse für den Erfolg der Elektromobilität stellt das Ladeinfrastrukturnetz dar. In diesem Beitrag wird aufgezeigt, worauf es beim Ausbau eines landesweiten Netzes ankommt.

Stadtwerke und kommunale Energieversorger im Vorteil

In den letzten Jahren wurde deutschlandweit bereits viel Ladeinfrastruktur aufgebaut. Vor allem Stadtwerke und kommunale Energieversorger sind bestens in der Lage, Ladeinfrastruktur aufzubauen und zu betreiben. Sie haben die Chance des neuen und zukunftsfähigen Geschäftsfelds Elektromobilität für sich erkannt und in Ladeinfrastruktur sowie neue Mobilitätskonzepte investiert. Mit ihren Erfahrungen sind sie so Experte und erster Ansprechpartner für ihre Kunden geworden.

Nun gilt es, noch bestehende Lücken im Ladeinfrastrukturnetz zu schließen und die aufgebauten Ladestationen zu vernetzen. Landesweite Programme, wie aktuell bereits in Berlin, Thüringen oder Baden-Württemberg (geplant), ermöglichen den schnellen und erfolgreichen Ausbau einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur. So werden in Thüringen bis 2020 rund 370 Ladesäulen aufgebaut, die von Anfang an über den Stadtwerke-Verbund ladenetz.de deutschlandweit vernetzt sind. Der zunächst auf Landesebene ausgerollte Ladeinfrastrukturaufbau dient dann als Basis für das einheitliche bundesweite Laden.

Vernetzung der Ladeinfrastruktur

Damit der E-Autofahrer immer und überall laden kann, müssen die verschiedenen Ladeinfrastrukturbetreiber ihre Ladepunkte für möglichst alle zugänglich machen. Möglich wird dies, indem die Ladeinfrastruktur an ein übergeordnetes Ladenetzwerk wie dem Stadtwerkeverbund ladenetz.de angeschlossen und mit einer mobilen Bezahlfunktion direkt an der Säule vor Ort ausgestattet wird. Um den Anforderungen des E-Autofahrers – einfaches Finden von passenden Ladepunkten sowie unkompliziertes Bezahlen und Starten des Ladevorgangs – gerecht zu werden, muss im öffentlichen und halböffentlichen Bereich ausschließlich sogenannte „intelligente“ Ladeinfrastruktur aufgebaut werden. Intelligent heißt in diesem Fall, dass die Ladesysteme über eine geeignete Kommunikationsstruktur verfügen, die die Anbindung an ein IT-Backend ermöglicht. Dadurch kann die Ladeinfrastruktur überregional vernetzt werden und dem E-Autofahrer ein diskriminierungsfreier und spontaner Zugang mit mobiler Bezahlfunktion angeboten werden.

Vernetzung. Bild: STAWAG/foveart

Bild: STAWAG/foveart

Um das bundesweit einheitliche Laden zu ermöglichen müssen sich die verschiedenen Ladenetzwerke vernetzen. Durch Roaming-Kooperationen zwischen den verschiedenen Netzwerken und Anbietern kann Interoperabilität geschaffen werden – auch europaweit. Über Roaming-Plattformen wie e-clearing.net können Marktteilnehmer der Elektromobilität alle relevanten Daten austauschen, die zur Authentifizierung der Nutzer, zur Abrechnung des Ladevorgangs und für Live-Informationen benötigt werden. Den Elektromobilisten wird so unkompliziertes Laden im In- und Ausland eröffnet.