Gastautor Timo Sillober (EnBW Energie Baden-Württemberg AG)

17.10.2016

Warum uns die Elektromobilität wertvolle Zeit schenkt

Die Themen Elektromobilität und Elektrofahrzeuge erreichen aktuell immer mehr Menschen. Auch viele Firmen nehmen die Elektromobilität vermehrt auf ihre Agenda. Allerdings drehen sich die Diskussionen meist um die Herausforderungen der Ladeinfrastruktur, die Entwicklungen rund um die Batteriekapazität oder die Ladezeiten bei Langstreckenfahrten. Ich denke, es ist an der Zeit, die Perspektive zu wechseln und über die Kundenerfahrung mit E-Autos nachzudenken und darüber, wie E-Autos unser Leben leichter machen werden.

Es ist wichtig, sich darauf einzustellen, was für Kunden wirklich zählt. Ich glaube fest daran, dass das wertvollste Gut für uns heute „Zeit“ darstellt, da diese begrenzt ist und “noch” nicht erweitert werden kann. Fast alle erfolgreichen Produkte, die neu auf den Markt gebracht werden, haben diese knappe Ressource im Fokus – es geht um Zeit und Geschwindigkeit (denken Sie an Smartphones oder digitale Dienstleistungen wie Airbnb oder Uber).

Neue Generation von Elektrofahrzeugen

Die nächste Generation von Elektrofahrzeugen wird Batteriekapazitäten von 150-200 kWh haben und damit Reichweiten von mehr als 500 km ermöglichen. Die von Menschen durchschnittlich am Tag zurückgelegte Strecke beträgt ca. 46 km. Bezogen auf die durchschnittlich am Stück zurückgelegte Strecke sind es sogar nur 12,3 km. Außerdem müssen wir beachten, dass die nächste Generation von Elektroautos auf das schnellere und komfortablere Induktionsladen ausgelegt sein wird.

Exkurs: Wie funktioniert eigentlich eine Induktionsladestation?

Grafik InduktionsladenAngenommen, Ihr Auto steht in Ihrer Garage (privat oder gemeinsam genutzt). Durch einen einmaligen Invest wird diese Garage mit der Induktionsladestation ausgestattet. Wenn Sie nun nach Hause kommen und Ihr Auto in der Garage parken, beginnt der Ladevorgang automatisch, damit Sie am nächsten Tag in ein vollständig aufgeladenes Auto steigen. Das Gleiche passiert während Sie einkaufen, in einer öffentlichen Garage parken oder während Sie arbeiten. Durch die relativ langen Standzeiten der Elektrofahrzeuge an diesen Plätzen können die Autos mit geringer Ladeleistung und Lastspitzenoptimierung (Virtuelles Kraftwerk) langsam aufgeladen werden, sodass wir in Zukunft im Alltag in einem “always charged” Elektrofahrzeug unterwegs sein werden. In den wenigen Situationen, wenn wir wirklich mehr als 300-400 km unterwegs sind, müssen wir die Schnellladeinfrastruktur an Autobahnen und Fernstraßen nutzen. Aber wie oft kommt dies in Ihrem Alltag vor? Durchschnittlich ist das nur ca. drei bis vier mal im Jahr der Fall. Als Ergebnis der „always charged“ Elektrofahrzeuge werden die Tankstellen, wie wir sie heute kennen, nach und nach aus urbanen Gebieten verschwinden (voraussichtlich ganz, wenn Autos autonom fahren).

Sm!ght


Ein Elektroauto tankt an einer Ladesäule: Mit der nächsten Generation von E-Autos, die auf das schnellere und komfortablere Induktionsladen ausgelegt sein werden, wird der Ladevorgang deutlich einfacher und zeitsparender.

 

Dank Elektromobilität sparen Sie vor allem eins: Zeit

Kommen wir zurück zum ursprünglichen Thema: Zeit. Ein Benzinfahrzeug benötigt durchschnittlich alle 500 km eine neue Tankfüllung (Annahme: acht Liter pro 100 km bei 50 Liter-Tank). Der Tankvorgang dauert inklusive Zahlung ca. 10 bis 15 min; dabei haben wir den Anfahrtsweg zur Tankstelle noch nicht mit eingerechnet. Als Ergebnis, basierend auf einer Reichweite von 10.000 km pro Jahr, verbringen Sie jährlich bis zu fünf Stunden Ihrer Lebenszeit damit, Ihr Auto zu betanken – wahrscheinlich nicht die bestmögliche Zeitausgestaltung. Mit einem Elektrofahrzeug verbringen Sie nur auf langen Strecken Zeit an der Ladesäule. Bei fünf vollen Ladungen mit einer 300 kW Schnellladestation sind dies jährlich nur ca. 2,5 h.

Ein weiterer Vorteil von Elektromobilität: Man spart Zeit.

Sie sparen also jedes Jahr mehr als die Hälfte Ihrer kostbaren Zeit, die Sie auf kalten, schmutzigen und hässlichen Tankstellen verbracht haben und zusätzlich noch mindestens 15 mal schmutzige und nach Benzin riechende Hände. Es wird also Zeit, sich auf das Nutzenerlebnis der E-Mobilität vorzubereiten und die eingesparte Zeit bei einem Abendessen mit Freunden oder Familie zu genießen.

[Anm. der Redaktion: Dieser Beitrag ist parallel in englischer Sprache im Blog von CODE_n erschienen.]