Redakteur Blog-Redaktion

11.05.2016

Umfrage-Ergebnis Energiewende aktuell: Was ist die größte Herausforderung bei der Digitalisierung der Energiewelt?

Das haben wir im Rahmen unserer letzten Umfrage gefragt. Fast die Hälfte aller Teilnehmer der Umfrage (48%) sehen in der Datensicherheit die größte Herausforderung im Zuge der Digitalisierung der Energiewelt. 19% unserer Blog-Leserinnen und Leser äußerten sich, dass die Kontrolle der Verbraucher über ihre Geräte als größte Herausforderung der Digitalisierung zu sehen sei. Ein Drittel der Befragten (33%) betrachten den Erhalt der Versorgungssicherheit als das höchste Gut und die Achillesferse einer erfolgreich digitalisierten Energiewelt.

Ängste um die Datensicherheit zentrale Rolle

Unsere Blog-Leserinnen und Leser haben zu 48% gesagt, dass die Datensicherheit der wichtigste Erfolgsfaktor für die Digitalisierung der Energiewelt ist.Dieses Ergebnis spiegelt wieder, was im Rahmen einer TNS Emnid Studie im Herbst 2015 deutlich wurde: Die Verbraucher machen sich Sorgen im Zusammenhang mit digitalen Stromzählern, den Smart Metern. Der Datenschutz ist ein zentrales Diskussionsthema, wenn es um digitalisierte Energieverbrauchs- und -bedarfs-Informationen geht. Die Ängste sind nachvollziehbar, möchte man doch in Zeiten von NSA-Spähaffären nicht auch noch vollkommene Transparenz über den persönlichen energetischen Fußabdruck gewähren. Nun wird in Deutschland auch noch über die Abschaffung des Bargelds diskutiert – alles zugunsten von mehr Überwachung, mehr Einflussnahme, mehr Steuerungsmöglichkeiten des Einzelnen. Klar, dass eine digitalisierte Energiewelt, mit der jeder einzelne Bürger in Kontakt kommt, äußerst kritisch beäugt wird, zu Recht.

Klarheit und Transparenz in der Lösungsfindung

Denn eindeutige und klar verständliche Lösungen dafür, wie Datensicherheit künftig gewährleistet wird, sind noch nicht Gegenstand der öffentlichen Diskussion. Noch befindet sich das Schlagwort ‚Digitalisierung‘ auf Hardware-Ebene oder in einer fachlichen Tiefe, die für Privatpersonen nur schwer zugänglich ist. Die Smart Meter sind das greifbare Momentum, um Dialoge zwischen Sinn und Unsinn dieses Tools zu führen. Dazu haben wir hier im Blog auch zahlreiche Beiträge von Gastautoren veröffentlicht, Umfragen durchgeführt und Studien zitiert.

Datensicherheit ist zu definieren

Eines bleibt in den Diskussionen oft auf der Strecke: Die exakte Definition von Datensicherheit. Welche Daten konkret sind vor wem zu schützen? Welchem Zweck dient dieser Schutz und wie kann dieser gewährleistet werden? Wie in unserem Artikel ausgeführt, der die Umfrage zur Herausforderung bei der Digitalisierung der Energiewelt begleitet, sind heute rund 45 Millionen Bundesbürger weitgehend transparent unterwegs. Im wahrsten Sinne: Die gängigen Smartphones aller Hersteller senden minütlich Updates über ihren Aufenthaltsort (nicht nur der Sendemast, sondern Koordinaten-genau.  und somit auch den Aufenthaltsort ihres Besitzers, denn das Smartphone wird seltener daheim liegen gelassen als das Portmonee. So ist es zwar möglich, über die Einstellungen am Gerät die Ortungsfunktionen zu deaktivieren und somit den digitalen Fußabdruck stark zu verkleinern, aber die Zahl derjenigen, die aktiv und regelmäßig diese Sicherheitsmaßnahme durchführen, ist gering. So entstehen stündlich digitale Landkarten mit Wegstrecken-Abbildungen von Millionen Einzelner, die sich von A nach B bewegen. Darunter sicherlich Zahlreiche, die Datensicherheit in der sich neu formierenden Energiewelt fordern, aber ihren jetzigen Einfluss zur Datensicherheit nur bedingt ausnutzen.

Auch Verbraucher und User in der Verantwortung

Damit wird deutlich: Die Datensicherheit ist nicht nur eine technische Fragestellung, sondern auch eine Verhaltensfrage des Einzelnen. Selbstverständlich sind die Lösungsanbieter der Energiewirtschaft in der Pflicht, entsprechende Schutzmaßnahmen zu entwickeln, die Datenmissbrauch verhindern. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und das Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik geben dazu den 10-Punkte-Plan für Smart-Meter-Datenschutz heraus. Zudem sind die Anbieter in der Pflicht, diese Schutzmechanismen, die jeder Einzelne nutzen und beeinflussen kann, aktiv zu kommunizieren. Das ist der Vorwurf, der der Mobilfunk-Industrie und den Big-Data-Sammlern zu machen ist: Das Deaktivieren von Ortungsdiensten ist nicht Gegenstand der Kommunikation zwischen User und Software, sondern versteckt sich meist in den unteren Menüebenen des Userinterfaces. Erst zahlreiche Blog-Beiträge und Medienveröffentlichungen weisen darauf hin – aber liest wirklich jeder Smartphone-User Fachliteratur über digitale Gadgets?

Verstehen, Akzeptieren, Mitmachen

So darf es künftig bei der digitalen Energiewirtschaft nicht laufen. Der Umbau des Energiesystems ist eine der größten Infrastruktur-Herausforderungen in den nächsten Jahrzehnten. Die Energiewende ist ein Entwicklungsprozess, der viele Schritte des Mitnehmens der breiten Öffentlichkeit erfordert. Nicht nur das Verständnis um die Sinnhaftigkeit und die Akzeptanz, sondern auch aktives Mitmachen ist notwendig, um spätestens 2050, sagen zu können: Es ist gelungen. Wir sind bei 100% erneuerbaren Energien angekommen, haben eine Versorgungssicherheit erreicht, um die man nicht bangen muss und können von zahlreichen dezentralen Stromerzeugern – Millionen von Prosumenten – erneuerbaren Strom und Wärme beziehen, haben für zahlreiche andere Staaten ein positives Vorbild einer gelungenen Energiewende abgegeben. Das bedeutet, dass nicht nur große To-Do-Listen abzuarbeiten sind, die im Rahmen der Energiewende für die Akteure laufend neu entstehen. Das bedeutet auch, dass die Bürgerinnen und Bürger, die User der Energie von Morgen (und zum Teil schon von Heute), wachsendes Vertrauen brauchen in Jenes, was IT-seitig neu entsteht. Mit der Digitalisierung hat sich die Transparenz-Erwartungshaltung der Gesellschaft geändert: Einblicke in das (Energie-)System schaffen Vertrauen, was Grundlage für eine langfristig weiterhin breite Energiewende-Akzeptanz ist. Und nicht nur die Lösungsanbieter sind in die Pflicht zu nehmen. Auch die Verbraucherinnen und Verbraucher sind gefordert, Forderungen nach Transparenz und Sicherheit nicht pauschal, sondern konkretisiert zu stellen. Das Mehr an Transparenz bedeutet nämlich im Umkehrschluss, dass höhere Benchmarks gesetzt werden, den Diskurs um die Datensicherheit auf Augenhöhe und mit Substanz zu führen.