Gastautor Andreas Kühl (Energieblogger @energynet)

29.01.2018

Mehr Lösungen und mehr Attraktivität für die Erneuerbaren auf dem Wärmemarkt

In den schnelllebigen Zeiten des Internets gleicht er, obwohl noch jung an Jahren, einem Methusalem: Andreas Kühl ist seit 18 Jahren online präsent. Und immer mit dem selben Thema. Angetrieben von der Faszination, die Energiewelt umzubauen, von fossil und atomar auf erneuerbar, schreibt er seit dem Jahr 2000 über und für die Energiewende. Jenseits der Aufregungen im politischen Tagesgeschäft widmet sich der Diplom-Ingenieur für Bauphysik mit Berufsabschluss Elektromechaniker den fachlichen Details der Energiewende und häufig dem Wärmemarkt.

Energynet – das Gegenprogramm zu kurzlebigen und vordergründigen Debatten

Sein Blog energynet ist das Gegenprogramm zu kurzlebigen und vordergründigen Debatten. Welche Rolle spielt z.B. die Energieeffizienz in der medialen Berichterstattung? Bestenfalls eine Nebenrolle, wenn nicht wie im letzten Jahr, der deutsche Energieverbrauch wieder steigt statt zu sinken. Kaum jemand nimmt zur Kenntnis, dass wir die Energiewende kaum werden stemmen können, wenn wir nicht nachhaltiger mit unseren Ressourcen umgehen. Die Beiträge bei energynet halten dagegen. Um Energie effizient einzusetzen, muss man etwas mehr vom Thema verstehen als der interessierte Zeitungsleser. Andreas Kühl vermittelt sein Wissen, ohne belehrend zu wirken. Er erklärt und nimmt seine Leser an die Hand, so dass am Ende auch schwerere Kost wie die kalte Nahwärme leicht verdaulich wird.

Wärmemarkt

Der Blog von Andreas Kühl – Klicken um zur Quelle zu kommen.

Andreas Kühl hat sich von Beginn im Netzwerk der Energieblogger engagiert. Er ist bei Facebook ebenso aktiv wie bei Twitter (@energynet), wo ihm über 7.000 Personen folgen. In der Energieszene ein Spitzenwert. Offensichtlich zahlt sich fachlicher Tiefgang verbunden mit Kontinuität am Ende aus. Wir stellten Andreas Kühl ebenso wie den anderen Energiebloggern bereits im letzten Jahr unsere Fragen:

DEZ-Blog: Was erwartest Du energiepolitisch von 2018?

Andreas Kühl: Der Jahresbeginn hat es gezeigt, die politische Richtung geht zu „bloß nichts verändern“. Daher sind meine Erwartungen gegen Null gesunken. Ich vermute, dass noch weiter versucht wird den Status Quo der Energiewirtschaft zu erhalten. Allerdings sagt der Markt etwas anderes, konventionelle Energien wie Kohle lassen sich immer weniger wirtschaftlich betreiben und Erneuerbare Energien werden immer günstiger. Damit könnte der Markt eine Dynamik erhalten, während die Politik eher versuchen wird, dass alles so bleibt, wie es ist.

„Wir brauchen mehr Lösungen und Attraktivität für erneuerbare Energien auf dem Wärmemarkt.“

Was sollte eine neue Bundesregierung als erstes anpacken?

Da gibt es viele Baustellen. Sinnvoll wäre eine Reduzierung der vielen komplexen Regulierungen, ohne dass der Fortschritt der Energiewende darunter leidet. Es müssen Hemmnisse abgebaut werden, wie die doppelte Belastung von Speichern mit der EEG-Umlage (beim Be- und Entladen) oder die Erhebung der anteiligen EEG-Umlage für Eigenverbrauch bei PV-Anlagen größer 10 kWp. Beides kann die Wirtschaftlichkeit vieler Projekte deutlich verändern. Und ich würde mir auch deutliche Fortschritte auf dem Wärmesektor wünschen. Wir brauchen mehr Lösungen und Attraktivität für erneuerbare Energien auf dem Wärmemarkt. Aktuell sind Heizöl und Gas, die am wenigsten belasteten Energieträger. So wird es schwer, wirtschaftliche Lösungen zu finden für eine Wärmewende.

Welche Innovationen aus Forschung und Technik  werden in 2018 eine Rolle spielen?

Die Energiewirtschaft ist ein sehr spannendes Gebiet mit vielen Innovationen. Besonders bei den Batterie-Technologien und in der Elektromobilität können wir in 2018 spannende Entwicklungen erleben. Die Lithium-Ionen-Technologie lässt sich noch verbessern und sie bleibt sicher nicht die einzige Technologie von Batterie-Speichern. Vielleicht entdeckt man dadurch auch den Wert von Flexibilitäten im Stromnetz, die bisher noch keine große Bedeutung auf dem Markt spielen. Auf jeden Fall wird die Digitalisierung der Energiewende auf die Sprünge helfen können. Denn dadurch wird es möglich viele kleine Anlagen zu bündeln, zu integrieren und zu vermarkten.