Gastautor Thorsten Zoerner (Energieblogger @blog.stromhaltig)

25.04.2014

Ein Hybridmarkt für private Stromkunden

Fünf Fragen an Thorsten Zoerner, Blogger blog.stromhaltig.de

DEZ: Derzeit wird heiß diskutiert, wie ein künftiges Strommarktmodell aussehen könnte. In Ihrem Blog haben Sie das Modell eines Hybridmarktes für private Stromkunden ins Spiel gebracht. Wie soll der funktionieren?

Thorsten Zoerner: Ausgangspunkt meiner Überlegungen ist, dass Wind- und Sonnenenergie anders als die Fossilen nicht geeignet sind für den Energy-Only-Markt, wo nur die Stromproduktion vergütet wird. Dieser Markt funktioniert seit Jahrzehnten gut und sicher. Fluktuierende Erneuerbare Energien werden, weil sie nicht börsentauglich sind, derzeit als Graustrom verramscht. Marktfähig werden sie über einen Kapazitätsmarkt, an dem sich jeder Verbraucher beteiligen kann, indem er prozentual einen individuellen Mix aus Erzeugungskapazitäten erwirbt.

DEZ: Wo liegen die Vorteile Ihres Modells?

TZ: Über den Hybridmarkt entkommt der Verbraucher aus der Unmündigkeit, in der er als Stromkunde gefangen ist. Auf diesem Markt kann dann auch der Mieter entscheiden, woher sein Strom kommen soll. Er kann mit technischen Hilfsmitteln oder durch individuelles Verhalten den Lastgang seines Haushaltes an die Erzeugungskurve der von ihm erworbenen Kapazitäten anpassen. Bio, regional und saisonal sind bei Lebensmitteln en vogue – auch beim Strom wollen die Kunden Produktverantwortung ausüben.

DEZ: Technisch scheint mir ein Hybridmarkt sehr anspruchsvoll zu sein.

TZ: Die Technik ist vorhanden. Der Kauf der Kapazitäten lässt sich über ein Online-Portal dokumentieren. Für die Abrechnung zwischen Anbieter und Verbraucher ist ein modernes Smartmeter zur Leistungsmessung erforderlich, so dass zeitlich genau ermittelt werden kann, woher mein Strom kommt. Beim Telefon und beim Datenverbrauch haben wir uns schon lange an die sekundengenaue Abrechnung oder an den Kauf einer Flatrate gewöhnt. Im Vergleich zu unserer Telefonrechnung stammt die Stromabrechnung noch aus der Steinzeit der Datenverarbeitung.

DEZ: Welche gesetzlichen Änderungen werden nötig, um einen Hybridmarkt zu etablieren?

TZ: Ich bin kein Jurist. Nötig wäre eine Abkehr vom Standardlastprofil des BDEW  und damit Änderungen in der Stromnetzzugangsverordnung (StromNZV). Im Vergleich zu einem juristisch hoch komplexen Regelwerk wie dem EEG benötigt die Einführung eines Hybridmarktes nur minimale Eingriffe des Gesetzgebers.

DEZ: Danke für das Gespräch

Das Interview führte Hubertus Grass.

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Mehr Infos zu diesem Modell:

In 100 Worten: Hybridmarkt für private Stromkunden (Leistung & Kapazität)

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