Redakteur Blog-Redaktion

08.11.2017

Studie: Lücke zum Klimaschutzziel 2020 größer als bislang angenommen

Die Lücke zum Klimaschutzziel 2020 ist deutlich größer als bislang angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine von Agora Energiewende im September 2017 erhobene Studie.

Die Studie mit dem Titel „Das Klimaschutzziel von -40 Prozent bis 2020: Wo landen wir ohne weitere Maßnahmen?“ zeigt auf, dass der Ausstoß von Treibhausgasen 2020 gegenüber 1990 nicht um 35 Prozent zurück gehen würde – wie bisher von der Bundesregierung angenommen – sondern lediglich um 30 bis 31 Prozent.

Die absolute Lücke zwischen dem vorgelegten Projektionsbericht der Bundesregierung und der aktualisierten Abschätzung von Agora Energiewende beträgt demnach 2020 etwa 156 Millionen Tonnen – das entspricht rechnerisch den Gesamtemissionen des Verkehrssektors. Jährlich müssten 39 Millionen Tonnen eingespart werden. Die durchschnittliche Einsparung von 2010 – 2016 beträgt jedoch nur 6 Millionen Tonnen.

Abschätzung einer realistischen Entwicklung der Treibhausgasemissionen bis 2020

Wesentliche Ursachen für höhere Emissionen: Niedrige Co2– und Ölpreise, höheres Wachstum

CO2-Wolke

Der niedrige CO2-Preis ist einer der Gründe für höhere Treibhausgasemissionen.

Zu den signifikanten Ursachen für höhere Emissionen, so sind sich die Autoren der Studie sicher, zählen das stärker als prognostiziert ausfallende Wirtschaftswachstum bis 2020 und die niedriger als erwarteten Preise für CO2, Diesel, Benzin und Heizöl. Auch sei die Wohnbevölkerung infolge der Einwanderung um zwei Millionen Menschen größer, als im Projektionsbericht angenommen. Folglich wachse die Industrie stärker, es werde mehr Kohle verstromt, mehr PKW und LKW würden auf den Straßen fahren und eine Diskrepanz zwischen den CO2-Emissionswerten der Fahrzyklus-Tests und im Realbetrieb sei zu beobachten. Ein weiterer Faktor für höhere Emissionen sei auch der stagnierende Austausch von Ölkesseln gegenüber Co2-ärmeren Heizungsarten.

Ohne weitere Maßnahmen wird Deutschland sein Klimaschutzziel 2020 eklatant verfehlen

Die Kernaussage der Autoren ist, die Emissionen seien 2020 höher als bislang offiziell prognostiziert. Die neue Bundesregierung müsse daher kurzfristig deutlich nachlegen, wolle sie zumindest noch in die Nähe des 2020-Klimaschutzziels kommen, so die Studie.

Als Lösungsansatz fordert Agora Energiewende die neue Bundesregierung auf, im Koalitionsvertrag ein Sofortprogramm „Klimaschutz 2020“ zu verankern und diesen bereits im ersten Halbjahr 2018 umsetzen, um eine spürbare Wirkung zu erzielen.

Denn noch entspreche Deutschland international mit seinen anspruchsvollen Klimazielen der Vorreiterrolle und genieße hohe Aufmerksamkeit im Ausland. Ein Verfehlen des Klimaschutzziels 2020 wäre nicht nur mit deutlich höheren Emissionen für das globale Klima verbunden, sondern hätte durchaus einen schweren, vermutlich irreparablen Image-Schaden für Deutschland zur Folge.

Die Studie können Sie in unserer Energiebibliothek herunterladen.