Redakteurin Christiane Schatzmann (EnBW Energie Baden-Württemberg AG)

06.02.2015

Studie: Ausbau der Erneuerbaren Energien muss nicht auf Stromspeicher warten

„Die Erzeugung von Strom aus Wind- und Solarenergieanlagen richtet sich nach dem Wetter und nicht nach der Nachfrage nach Strom. Daher liegt es nahe, Strom in Zeiten von viel Sonne und Wind zu speichern, um ihn in Zeiten von wenig Sonne und Wind zu verbrauchen.“ In Anbetracht dieser Tatsache hat die „Agora Energiewende“ in einer Studie die Frage untersucht, wie viele Stromspeicher in Deutschland für die Energiewende gebraucht werden. Dabei wird  zwischen Lang- und Kurzzeitspeichern unterschieden. Die Autoren legen den Schwerpunkt ihrer Untersuchung auf die Betrachtung der Kosten des Stromsystems bei einem Ausbau Erneuerbarer Energien bis zu 90 Prozent in Deutschland und betrachten dies vorwiegend aus der Perspektive der Systemgesamtkosten. Ergänzend  analysieren sie weitere Märkte für Speicher in anderen Sektoren als der traditionellen Stromwirtschaft sowie die Verteilnetz-Ebene.

Die Studie simuliert drei Zeitpunkte in der Zukunft. Die Jahre 2023 und 2033 sowie einen Zeitpunkt, bei dem der Anteil Erneuerbarer Energien bei 90 Prozent Beteiligung an der deutschen Stromversorgung liegt. Hierbei verfolgt die Studie einen europäischen Ansatz: Sie bezieht den Anteil Erneuerbarer Energien in Europa mit ein, geht dabei aber davon aus, dass der europäische Erneuerbaren-Anteil auch künftig unter dem deutschen Anteil liegen wird. Wahrscheinlich sei in Zukunft ein europäisch vernetzter Strommarkt mit moderatem Ausbau von Grenzkuppelstellen und anderer Flexibilitätsoptionen.

Agora Energiewende Ausbau Erneuerbare Speicher

Die Autoren kommen unter anderem zu dem Ergebnis, dass der Ausbau Erneuerbarer Energien nicht auf Stromspeicher warten müsse. Vielmehr könne in den kommenden 10 bis 20 Jahren benötigte Flexibilität im Stromsystem durch andere Flexibilitätsoptionen günstiger verfügbar gemacht werden. Dies könne zum Beispiel durch flexible Fahrweise fossiler Kraftwerke, aktives Lastmanagement beim industriellen Stromverbrauch, den vernetzten Einsatz von Stromspeichern, E-Autos und Speicher, die für die private und gewerbliche Nutzung angeschafft wurden, und durch Stromhandel mit Nachbarstaaten erreicht werden. Wirklich benötigt würden eigens für die Systemstabilität konzipierte neue Stromspeicher erst bei einem sehr hohen Anteil von Erneuerbaren Energien. Trotz dieser Analyse werde der Markt für neue Energiespeicher dynamisch wachsen. Dies läge vor allem an neuen Absatzgebieten für Batterien und Power-to-X im Verkehrs- und Chemiesektor. Die Autoren der Studie fordern, dass Speicher gleichberechtigten Zugang zu Märkten für Flexibilität erhalten müssen. Märkte wie der Regelleistungsmarkt oder ein zukünftiger Kapazitätsmarkt sollten daher technologieoffen ausgestaltet werden.

Die Studie wurde im Netz bereits heftig diskutiert und (aufgrund den Inhalt nicht wieder gebender Überschriften) falsch interpretiert und kritisiert. Daher geben wir den Inhalt der Studie jetzt noch einmal wieder und empfehlen in diesem Fall ausdrücklich, sich selbst ein Bild zu machen und die Studie zu lesen, statt sich auf Sekundärquellen zu verlassen.

Die Studie finden Sie hier.