Vom Dachcheck bis zum Zählerwechsel: Wie eine Photovoltaik-Montage tatsächlich abläuft
Wer ein Angebot für eine Photovoltaikanlage in der Hand hält, sieht Module, Wechselrichter, Speicher und eine Summe. Was zwischen Unterschrift und erster eingespeister Kilowattstunde passiert, steht selten drin. Dabei entscheidet sich genau dort, ob die Anlage nach drei Monaten läuft oder nach acht, ob die Dokumentation für die nächsten 20 Jahre stimmt und ob der Zählerwechsel rechtzeitig kommt. Wer den Ablauf kennt, stellt beim Angebot die richtigen Fragen.
Der erste Schritt findet nicht auf dem Dach statt, sondern davor. Bevor irgendjemand eine Leiter anlegt, gehören einige Fragen geklärt: Wie ist das Dach ausgerichtet, wie steil ist es, was liegt darauf, wie alt ist die Eindeckung, gibt es Verschattung durch Bäume, Nachbargebäude oder den eigenen Schornstein. Ein Dach, dessen Ziegel in fünf Jahren erneuert werden müssen, sollte vor der Anlage saniert werden, sonst wird die Anlage einmal ab- und wieder aufgebaut. Und wenn das Haus vor 1990 gebaut wurde, lohnt ein Blick auf die Statik: Module mit Unterkonstruktion bringen etwa 20 bis 25 Kilogramm pro Quadratmeter zusätzlich auf die Sparren.
Regionale Elektrofachbetriebe, die Photovoltaik als Teil ihres Elektrohandwerks anbieten, verbinden diesen Dachcheck meist mit einem Blick in den Zählerschrank. A&A Hermann Elektrotechnik aus Steinheim in Ostwestfalen etwa prüft beim ersten Termin neben dem Dach auch die Hausinstallation, weil dort die zweite Hälfte der Anlage sitzt. Ein Zählerschrank aus den Siebzigern ohne Platz für einen zweiten Zähler und ohne Überspannungsschutz ist in Bestandsgebäuden keine Seltenheit, und er ist oft der Grund, warum ein Angebot zwei Positionen mehr enthält, als der Bauherr erwartet hat.
Planung: Ertrag, Auslegung, Komponenten
Aus dem Dachcheck entsteht die Planung. Sie beginnt mit der Belegung: Wie viele Module passen auf welche Dachfläche, in welcher Anordnung, mit welchen Abständen zu First, Traufe und Ortgang. Dann folgt die Ertragsprognose. In Ostwestfalen und dem südlichen Niedersachsen liefert eine Anlage mit Südausrichtung erfahrungsgemäß etwa 900 bis 1.000 Kilowattstunden pro Kilowatt installierter Leistung und Jahr, Ost-West-Dächer etwas weniger, dafür gleichmäßiger über den Tag verteilt.
Die Auslegung richtet sich nach dem Verbrauch, nicht nach der Dachfläche. Ein Haushalt mit 4.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch, ohne Wärmepumpe und ohne Elektroauto, braucht keine 15 Kilowatt auf dem Dach. Kommen Wärmepumpe oder Wallbox dazu oder sind sie in den nächsten Jahren geplant, sieht die Rechnung anders aus. Der Wechselrichter wird zur Modulleistung passend gewählt, der Speicher zum Verbrauchsprofil. An dieser Stelle lohnt es, dem Fachbetrieb ehrlich zu sagen, was in fünf Jahren geplant ist. Einen Wechselrichter mit Reserve zu kaufen ist günstiger als zwei Wechselrichter.
Netzanmeldung: der Schritt, der Zeit braucht
Bevor die Montage beginnt, meldet der Fachbetrieb die Anlage beim Netzbetreiber an. Das ist keine Formalie, sondern eine Prüfung, ob das Netz an dieser Stelle die Einspeisung verträgt. Für Anlagen bis 30 Kilowatt hat der Gesetzgeber das Verfahren mit dem Solarpaket vereinfacht: Antwortet der Netzbetreiber nicht innerhalb eines Monats, darf die Anlage angeschlossen werden. Bei größeren Anlagen, etwa auf Gewerbedächern, dauert die Prüfung länger, und der Netzbetreiber kann Auflagen machen, zum Beispiel eine Begrenzung der Einspeiseleistung.
Die Anmeldung braucht vollständige Unterlagen: Lageplan, Datenblätter von Modulen und Wechselrichter, Konformitätsnachweise, ein Schema der Anlage. Fachbetriebe, die das regelmäßig machen, kennen die Portale der Netzbetreiber und die typischen Rückfragen. Wer die Anmeldung erst nach der Montage stellt, hat eine fertige Anlage, die nicht einspeisen darf.
Montage: zwei bis drei Tage auf dem Dach
Die eigentliche Montage ist der Teil, den man sieht, und meist der kürzeste. Für ein Einfamilienhaus mit 10 Kilowatt sind zwei bis drei Arbeitstage realistisch. Am ersten Tag steht das Gerüst, das als Absturzsicherung Pflicht ist. Dann werden die Dachhaken gesetzt, bei Ziegeldächern unter dem Ziegel an den Sparren verschraubt, darauf die Montageschienen, darauf die Module. Die Gleichstromverkabelung von den Modulen zum Wechselrichter folgt, meist durch ein Leerrohr oder eine Dachdurchführung.
Auf Flachdächern, wie sie bei Gewerbehallen üblich sind, sieht die Montage anders aus. Die Module werden auf Gestellen aufgeständert, meist nach Süden oder als Ost-West-Kombination, und statt mit Dachhaken werden die Gestelle mit Ballast beschwert oder in die Dachhaut eingebunden. Das muss zur Statik passen, denn Ballast wiegt, und zur Dachabdichtung, die durch die Montage nicht beschädigt werden darf. Bei größeren Anlagen kommt ein Lastmanagement dazu, das die Einspeisung an den Verbrauch im Betrieb koppelt.
Innen wird der Wechselrichter montiert, dazu Speicher und gegebenenfalls die Wallbox. Der Anschluss an den Zählerschrank ist Arbeit für die Elektrofachkraft: neuer Stromkreis, Absicherung, Überspannungsschutz auf der Gleich- und Wechselstromseite, Potentialausgleich der Unterkonstruktion, Einbindung in die Hauptverteilung. Hier zeigt sich der Unterschied zwischen einem Elektrobetrieb und einem reinen Montageteam. Die Module auf dem Dach sind der einfache Teil.
Inbetriebnahme und Zählerwechsel
Nach der Montage prüft der Fachbetrieb die Anlage: Isolationsmessung auf der Gleichstromseite, Prüfung der Schutzmaßnahmen, Funktionstest des Wechselrichters. Das Ergebnis steht im Inbetriebnahmeprotokoll, das der Netzbetreiber verlangt. Erst dann geht die Anlage ans Netz.
Der Zählerwechsel ist ein eigener Schritt, und er ist der, bei dem die meisten Betreiber ungeduldig werden. Der bisherige Zähler wird gegen einen Zweirichtungszähler oder ein intelligentes Messsystem getauscht, das Bezug und Einspeisung getrennt erfasst. Den Wechsel führt der Messstellenbetreiber durch, meist der Netzbetreiber selbst, und der Termin kann einige Wochen auf sich warten lassen. Bis dahin darf die Anlage in der Regel bereits laufen, die eingespeiste Energie wird aber noch nicht vergütet. Ein guter Fachbetrieb beantragt den Zählerwechsel deshalb so früh wie möglich.
Innerhalb eines Monats nach Inbetriebnahme muss die Anlage außerdem im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur eingetragen sein. Das ist Sache des Betreibers, viele Fachbetriebe übernehmen es aber mit. Wer es vergisst, riskiert den Verlust der Einspeisevergütung für den Zeitraum bis zur Registrierung.
Übergabe und Dokumentation
Am Ende steht die Einweisung: Wie liest man den Wechselrichter ab, was bedeuten die Anzeigen, wie schaltet man die Anlage im Notfall ab, welche App zeigt Ertrag und Verbrauch. Dazu gehört eine Dokumentation mit Schaltplan, Datenblättern, Prüfprotokoll und Modulbelegungsplan. Diese Mappe sieht harmlos aus, aber sie ist der Nachweis für die Versicherung und den Netzbetreiber, und sie ist die Grundlage für den Elektriker, der in zwölf Jahren den Wechselrichter tauscht.
Der gesamte Ablauf dauert bei einem Einfamilienhaus von der ersten Beratung bis zur ersten Vergütung meist drei bis vier Monate, wenn alles ineinandergreift. Die reine Montage davon: wenige Tage. Wer Angebote vergleicht, sollte deshalb über den Preis pro Kilowatt hinaus fragen, wer die Anmeldung übernimmt, wer den Zählerschrank prüft und was passiert, wenn der Netzbetreiber Auflagen macht.